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Lawinensicherheit beginnt mit dir

Die wichtigste Funktion von Lawinenverschüttetensuchgeräten (LVS-Geräten) und Lawinenrucksäcken: im Ernstfall Leben retten! Deshalb sollte man beim Kauf keine Kompromisse eingehen. Denn es geht um jede Minute bei der Suche nach Verschütteten. Statistisch sinkt die Überlebenschance nach einer halben Stunde auf nur mehr 30 Prozent. Wir haben uns damit beschäftigt, was sich in der Extremsituation in den Begleitern abspielt und wie man sich vorab auf einen Lawinenabgang vorbereiten kann:

 

Die Fakten-Wahrheit

Im vergangenen Jahr kamen in Österreich laut Statista.com bei 58 Lawinenunfällen elf Menschen ums Leben. Das ist deutlich weniger als im Jahr zuvor. Aufklärungsarbeit, Schulungen und Training, schneller und aktueller Informationstransfer sowie entsprechendes Sicherheits-Equipment tragen dazu bei, das Risiko bestmöglich zu minimieren. Denn kommt die Lawine erst einmal in Bewegung, wird mit ihr eine Kettenreaktion ausgelöst, die unaufhaltbar ist. Der Faktor Zeit spielt dabei eine große Rolle. Werden Verschüttete etwa innerhalb einer Viertelstunde gefunden, sind sie zu 90 % noch am Leben. Mit jeder weiteren Minute sinken die Chancen. Ortovox hat sich dem Thema Sicherheit verschrieben und im Zuge dessen bei Sigrun Holzer, Psychologin mit Spezialgebiet Neuropsychologie aus Oberstdorf im Oberallgäu, nachgefragt, wie sich die Extremsituation auf die Retter auswirkt.

„Je weniger man denken muss, desto besser“

Zur Frage, was mit dem Menschen in einer extremen Stresssituation – wie einen Lawinenabgang – passiert, sagt die Expertin: „Eine Stressreaktion führt zu einer Verbesserung unserer körperlichen Leistungsfähigkeit, verringert zeitgleich jedoch unsere kognitive Kapazität. Das ist von der Evolution geformt. Wenn unsere Steinzeitvorfahren den Säbelzahntiger kommen sahen, dann ging es darum, physisch stark zu sein und schnell fliehen zu können. Unser Körper schüttet deshalb Hormone wie Cortisol und Noradrenalin aus. Es wird mehr Zucker im Blut verfügbar gemacht und die Zellen mit zusätzlicher Energie versorgt. Nun brauchen wir zwar Kraft, aber eigentlich sollte in einer solchen Situation ja der Kopf funktionieren. Stattdessen laufen unsere kognitiven Fähigkeiten auf Sparflamme und ein zielgerichtetes Handeln fällt schwer.”

Handlungsabläufe trainieren und verinnerlichen”

Wie kann man dem entgegensteuern? Die Psychologin erklärt, dass bei negativem Stress der Kopf nicht mehr richtig funktioniert. Er greift dann auf gewohnte Handlungsmuster zurück. Daher empfiehlt es sich für einen Lawinenabgang einen Automatismus einzuüben. „Wer den Ablauf regelmäßig trainiert und verinnerlicht, kann ihn eher abrufen und auf eine strukturierte Vorgehensweise zurückgreifen. Ich rate einer Gruppe auch, schon am Parkplatz zu klären, wer in einem solchen Falle welche Rolle übernimmt. Das spart im Ernstfall Zeit und erleichtert die Entscheidungsfähigkeit, deren Rationalität unter Stresseinfluss leidet”, so die Empfehlung von Sigrun Holzer. Es gilt also in der Stresssituation möglichst ruhig zu bleiben und nicht überstürzt zu handeln, auch wenn der Drang groß ist, sofort zu agieren. Erst ein paar Mal durchatmen und dann gezielt loslegen. Holzer betont: „Generell ist empfehlenswert: Vorab alles tun, was die Komplexität der Lage vereinfacht.”

 

Wenn es dich erwischt – richtiges Verhalten

Bei einem Lawinenabgang geht es um Leben und Tod. Mit dem richtigen Verhalten kann man seine Chancen erhöhen – sei es durch den optimalen Einsatz der Ausrüstung, die Vermeidung eines frühen Kontrollverlustes oder dem Schutz vor Verletzungen. Gerhard Vasold, Geschäftsführer von SPORT Vasold in Liezen, hat fünf Tipps parat, wie man sich bei einem Lawinenabgang richtig verhält:

  • Versuche alles, um auf den Beinen zu bleiben und seitlich aus der Lawine hinaus zu steuern.
  • Wenn die Flucht keine Option mehr ist, trenne dich rechtzeitig von Ski und Skistöcken. Diese erhöhen nicht nur das Verletzungsrisiko, sondern auch die Gefahr, tiefer verschüttet zu werden. Vor allem die Skistöcken müssen weg, damit die Hände frei sind.
  • Greife zu deiner Ausrüstung (Lawinen-Airbag ziehen) und versuche, dich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche der Lawine zu halten.
  • Bevor der verdichtete Schnee zum Stillstand kommt und dir kein Bewegungsspielraum mehr bleibt, bilde mit den Händen einen Hohlraum vor Mund und Nase. Starte dann den Versuch in eine gehockte Stellung zu kommen: Arme vor die Brust, Hände als Atem-Hohlraum vor Mund und Nase.

 

Wenn du zum Retter wirst – richtiges Verhalten

Beobachtet man einen Lawinenabgang aus der Distanz und sieht wie Personen davon betroffen werden, ist es wichtig, diese und ihre abschließende Position genau im Auge zu behalten. Die Kenntnis der Lage ist wichtigste Voraussetzung einer rechtzeitigen Bergung. Auch für Lawinen-Helfer hat der Bergsportexperte aus Liezen einige Tipps:

  • Begib dich an die vermutete Verschüttungsstelle und versuche, die genaue Position durch optische oder akustische Signale zu bestimmen. Aber vergiss dabei nicht auf deine eigene Sicherheit, denn Nachlawinen können immer wieder abgehen.
  • Markiere den vermuteten Suchbereich für dauerhafte Orientierung.
  • Strukturiert, ruhig, aber schnell lautet die Devise. Sind mehrere Personen anwesend, werden die Aufgaben verteilt: Bergrettung informieren, Kommando übernehmen und Situation koordinieren, Suche starten, Sonden und Schaufeln vorbereiten.
  • Die richtige Beherrschung des LVS-Gerätes ist Pflicht für alle Wintersportler. Die Suche startet, indem du dem stärksten Signal folgst und den Radius immer weiter einschränkst.
  • Wurde der Verschüttete geortet, beginnst du sofort mit dem Ausgraben. Die wichtigste Aufgabe dabei ist die Freilegung des Kopfes und eine Kontrolle, ob die Atemwege frei sind.
  • Die nächsten Schritte: das Einleiten der notwendigen Maßnahmen der Ersten Hilfe und das weitere Auskühlen des Geborgenen verhindern. Dabei gilt aber Vorsicht beim Bewegen des Verschütteten. Bei einer Unterkühlung kann es durch Bewegung zu ernsthaften Herz-Kreislauf-Problemen führen.
  • Immer am Unfallort bleiben, bis die Rettungskräfte eintreffen.

 

Learn from the best – die Profis in Sachen Sicherheit

Egal ob Einsteiger oder Profi – in Sachen Lawinensicherheit lernt man nie aus. Auch erfahrene Bergfexe bilden sich regelmässig weiter, tauschen sich aus, üben Abläufe und spielen verschiedene Szenarien durch, um bestmöglich vorbereitet zu sein. Passendes Equipment, das regelmäßig auf Funktionalität geprüft und gewartet wird, spielt dabei ebenso eine große Rolle. Ortovox hat sich das Thema Sicherheit zur Aufgabe und Philosophie gemacht und bietet neben hochwertigen Produkten eine Safety Academy mit Lawinenkursen an.

Ortovox hat bereits vor über 40 Jahren mit der Entwicklung des ersten LVS-Doppelfrequenzgerätes begonnen. Nun kommen mit den DIRACT-Modellen erneut richtungsweisende LVS-Geräte auf den Markt. Das DIRACT-VOICE-Modell ist das erste LVS-Gerät mit integrierter Sprachnavigation.

Grundprinzip der LVS-Geräte:

LVS-Geräte haben zwei Betriebsarten: den Sende- und den Suchbetrieb. Beide können nicht gleichzeitig aktiv sein. Im Normalfall befindet sich das Gerät im Sendebetrieb und sollte immer eng am Körper getragen werden. Der Suchbetrieb wird nach einem Lawinenabgang aktiviert, um Verschüttete zu suchen.

Minimale Größe – maximale Funktion

Die Kommunikation des DIRACT VOICE erfolgt über zwei Sinne: Hören und Sehen. Das extra große, vollgrafische Display mit 360°-Echtzeit-Anzeige erleichtert mit klaren Symbolen die Lesbarkeit auch bei schwierigen Lichtverhältnissen. Und die einzigartige Sprachansage führt den Suchenden mit deutlichen verbalen Kommandos. Dabei wirkt die Stimme beruhigend und die Augen können sich auf die direkte Suche im Schneefeld konzentrieren. Das Stress-Level der Retter reduziert sich automatisch. 

Die neuen Leichtgewichte von Ortovox sind 2,3 cm dünn, wiegen nur 210 g und auf maximal intuitive Handhabung ausgelegt: Der signalfarbene, einfach zu bedienende Kippschalter ermöglicht selbst ungeübten Nutzern einen schnellen Wechsel von Senden auf Suchen. Und mit einer einzigen Bedientaste kannst du Verschüttete markieren. Beide Modelle verfügen über die patentierte Smart-Antenna-Technologie – diese analysiert die Lage des Geräts in der Lawine und schaltet automatisch auf die beste Sendeantenne um. Dadurch wird die Reichweite verdoppelt und der Träger schneller gefunden.

Üben, üben, üben – die beste Art, sich zu schützen

Jeder achte Airbag-Nutzer schafft es nicht, das System bei einem Lawinenabgang zu aktivieren. Diese besorgniserregende Erkenntnis ist das Ergebnis einer Analyse von 106 relevanten Lawinenunfällen vom kanadischen Lawinenforscher Pascal Haegeli gemeinsam mit einem Expertenteam. Eine weitere Tatsache, die belegt, dass regelmäßiges Auslöse-Training oder Üben mit der Ausrüstung essentiell ist. 

Durch das Training lernst du, in einer Realsituation richtig zu reagieren. Es erfolgt ohne eingeschraubte Kartusche – nur so können Auslösungen mit dem Avabag-System beliebig oft wiederholt werden. Mittels Reaktivierungswerkzeug wird das System anschließend wieder scharf gestellt.

Ortovox Ascent 30 Avabag Kit

ideale Airbagrucksack für lange Skitouren. Leicht und geräumig

(UVP: € 700,–) 

Ortovox Ascent 28S Avabag Kit

dieser Airbagrucksack ist für Frauen entwickelt worden. Leicht und funktional

(UVP: € 700,–)

Facts zum Avabag:

  • KOMPAKT
    Die Auslöseeinheit sitzt innerhalb der Venturi und bildet so ein komplett geschlossenes, robustes System, das ohne Elektronik auskommt. Verschmutzung, Vereisung oder Korrosion können ausgeschlossen werden.
  • EFFEKTIV
    Die innovative Verschweißtechnologie des Airbags ermöglicht ein kleines Packmaß, bei gleichzeitiger Verbesserung der Reißfestigkeit und der Dichtigkeit.
  • HERAUSNEHMBAR
    Die Avabag-Einheit kann schnell und einfach ausgebaut werden und ist mit allen weiteren Ortovox Avabag-Lawinenrucksäcken kompatibel.
  • EINSTELLBARKEIT
    Der frontal ausgerichtete Griff verbessert die Erreichbarkeit auch in ungünstigen Sturzpositionen. Und am Lift kann der Griff schnell und sicher im Reißverschlussfach verstaut werden, ohne den Tragekomfort einzuschränken.
  • GRIFFIG
    Die ergonomische Form im 360°-Design in Kombination mit aggressiven Kanten und der griffigen Oberfläche ermöglicht die einfachste Auslösung mit allen Handschuhtypen und Greifarten für Links- und Rechtshänder. Weiters kann die Griffposition auf die persönliche optimale Position eingestellt werden (S / L).

 

Risikomanagement erlernen für mehr Freude am Sport

Ob auf Skitouren oder beim Freeriden: Immer wenn es ins ungesicherte Gelände geht, musst du das Lawinenrisiko abschätzen können. Eine sorgfältige Planung, angepasstes Verhalten im Gelände und die Erfahrung potentielle Gefahrenstellen erkennen zu können, sind die Grundlage für deine Sicherheit auf Tour. Um dieses Wissen zu vermitteln, bietet Ortovox seit 2008 in Kooperation mit rund 30 Bergschulen Sicherheitstrainings und LVS-Trainings für Einsteiger und Fortgeschrittene in Form ihrer eigenen Safety Academy, der weltweit größten Ausbildungsinitiative zur Lawinenprävention, an. Getreu dem Motto „Lasst euch ausbilden und reduziert das Risiko!”

Ziele der Lawinenkurse: bestmögliche Vorbereitung um Gefahren zu erkennen, das Risiko abzuschätzen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dadurch kann man durch überlegtes Handeln ein sinnvolles Risikomanagement durchführen und noch lange Freude am Sport haben.

 

Mit Verstand die Vorbereitung angehen

Beim Thema Sicherheit im Tourenbereich gibt es so einiges zu beachten, um am Ende mit dem größtmöglichen Genuss sein Bergabenteuer erlebt zu haben. Gerhard Vasold, Geschäftsführer von SPORT Vasold in Liezen, ist der Meinung, dass sich jeder damit beschäftigen muss, den Notfall zu vermeiden. Dazu hat er uns einige Fragen beantwortet.

Sport 2000: Was gilt es beim Thema Sicherheit bei Skitouren zu berücksichtigen?

Gerhard: Ganz wichtig ist die Vorbereitung, die sollte mit Verstand gemacht werden, um die möglichen Risiken zu minimieren. In die Tourenplanung gehören das Wetter, die Betriebszeiten der Seilbahnen, die eigene konditionelle Verfassung und die der Kameraden. Unbedingt auch Reserven einplanen. Eine Tour muss an die eigenen Leistungsgrenzen angepasst sein. Persönlich empfehle ich jedem Tourengeher, dass er einen Zettel mit allen wichtigen Daten der Tour (Startzeit, geplante Rückkehr, genaue Route, Teilnehmer der Tourengruppe) sichtbar ins Auto legt. Als Hinweis für andere, sollte ein Notfall eintreten. Leider machen das die wenigsten. Aber grundsätzlich gilt, sich damit zu beschäftigen, dass kein Notfall eintritt!

Sport 2000: Was darf auf der Tour nie fehlen?

Gerhard: Das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) ist ein Muss auf jeder Tour. Dabei lieber ein einfaches wählen, das man beherrscht, als ein Nonplusultra-Gerät, das man nicht versteht. Regelmässiges Üben mit dem Gerät ist das Um und Auf. Die Airbag-Rucksäcke sind auch eine tolle Sache. Sie sind das Einzige was aktiv vor einer Verschüttung schützt. Des weiteren gehören eine Schaufel mit Teleskopstil und einem Schaufelblatt aus Metall sowie Seile, ein Erste-Hilfe-Paket, Rettungsdecke und Wärmebeutel zur Pflichtausrüstung. Ganz wichtig ist, dass man auch eine Reservekleidung einpackt. Aber die beste Ausrüstung hilft nichts, wenn man nicht damit umgehen kann.

Sport 2000: Worauf kommt es dir bei bei einem Notfall an?

Gerhard: Das Allerwichtigste ist die Kameradenhilfe, darüber geht nichts.

Sport 2000: Wie und wie oft wartet man seine Sicherheitsausrüstung?

Gerhard: Die Sicherheitsausrüstung muss regelmäßig beziehungsweise vor jeder Tour kontrolliert werden. Vor allem auf Funktionalität, Abnutzungserscheinungen und Schäden. Das LVS-Gerät sollte immer mit einer vollen Batterie bestückt sein und der Lawinenrucksack muss ständig überprüft werden. Dabei ist wichtig, dass man ihn daheim auch mal selbst auslöst, damit sich in der Notsituation keine Scheu vorm Ziehen auftut. Zumindest einmal im Jahr bringt man ihn in den Fachhandel, um ihn überprüfen zu lassen. Grundsätzlich gilt: Kontrolle ist einfach alles!

 

Häufigste Fehler und fatale Irrtümer 

 

  • Das LVS-Gerät im Rucksack statt am Körper mitführen.
  • Plastikschaufel statt Metall
  • Eine Tour planlos starten & Prognosen (Wetter, Schneeverhältnisse, Lawinengefahren) ignorieren.
  • Sich durch LVS-Geräte und anderes Sicherheitsequipment in Sicherheit wähnen.
  • falscher Ehrgeiz
  • Die Hände NICHT in die Schlaufen der Stöcke geben, sonst läufst du bei einer Lawine Gefahr, mitgerissen zu werden.
  • Wald schützt NICHT vor Lawinen; unterhalb der Waldgrenze ist es genauso gefährlich. 
  • Skispuren von anderen garantieren NICHT für Lawinensicherheit.
  • Spuren im Schnee garantieren NICHT für eine sichere Route.